Samuel

Setsuna erzählt : Eine floranische Geschichte

Recommended Posts

Eines Abends, als die Söldner sich zusammenfanden, kramte die blauhaarige ein dickes Buch hervor. Es schien unglaublich alt und wurde scheinbar öfters neugebunden. Warum es bisher noch nicht in ein Hologram zusammengefasst wurde, wusste keiner so genau. "Heute werde Ich, Setsuna, Tochter des Onyxlöwen, euch eine Geschichte erzählen von einem Floraner welcher von meinem Vater hoch geschätzt wurde!" - Stille. Die Söldner hatten vom Onyxlöwen gehört, zwar auch nur durch Setsuna, doch sie glaubten ihr. Sie schien nicht wie eine Lügnerin. Und so, begann Setsuna vorzulesen ...

 

"Niemand wusste wie alt ein Floraner eigentlich werden konnte. Keinem Wissenschaftler gelang es jemals einen Floraner zu überdauern, da er entweder nicht so alt wurde, oder aber gefressen wurde. Und somit wusste auch niemand, wie alt Karnivor eigentlich war. Die Legende besagt jedoch, das er einer der ersten war. Als die Monde in einer Reihe standen, begann die Saat zu sprießen und nach ein paar Monaten (gemessen in erdlicher Zeit), zerriss der Kokon um einen Floraner freizugeben. Anders als der Rest seines Volkes besaß er eine gewisse Intelligenz. Es oblag also ihm, seinen Stamm zu führen.

Die ersten Floraner jagten mit ihren bloßen Zähnen und hölzernen Klauen, bevor entdeckt wurde, wie wirksam ein Speer aus Holz und Stein sein konnte. Außerdem begannen die größten Jäger unter ihnen, sich mit dem Fell ihrer erlegten Beute zu bekleiden. Weniger aufgrund des Schamgefühls - welches sie nicht besaßen - sondern viel mehr um damit zu prahlen.
Einige Jahre vergingen und der Stamm begann in riesigen Bäumen, welche viel länger dort standen als sie, ihr Zuhause zu errichten. Rustikal und Spartanisch wären wohl die besten Worte um das Gebilde zu beschreiben.

 

Das erste Volk welches die Floraner entdeckte, waren die Apex. Ein Forschungsteam der Miniknog landete auf dem Planeten um Flora und Fauna zu studieren, sowie die örtlichen Lebensformen. Es war die dritte Nacht der Forscher, als einer der Wissenschaftler spurlos verschwand. In der fünften Nacht drang ein Notruf zu den Miniknog durch, welcher von bewegenden Büschen sprach. Es war der erste und letzte Notruf des Forschungsteams. Das Schiff stand offen und die Wände waren blutverschmiert. Im Schatten eines flackerndes Lichtes, war ein Floraner dabei auf einem Schädel herumzunagen ... Karnivor jedoch war viel mehr an dem Raumschiff interessiert. Sowas hatte er noch nie zuvor gesehen. Die Technik überstieg bei weitem seinen Verstand, wodurch er sich die Macht der Pflanzenwelt zu Nutze machte. Pflanzen konnte er steuern und kontrollieren, also besetze er kurzerhand die komplette Technik des Schiffes mit Ranken, Wurzeln und anderem Grünzeug. Es dauerte Wochen, bis der Stamm zu einer großen Jagd aufbrach und sich Karnivor davon schleichen konnte, zurück zu dem Apexschiff. An jenem Schicksalshaftem Tag, verließ er seinen Heimatplaneten und sollte seinen Stamm nie wiedersehen."

Leise wurde das Buch geschlossen und Setsuna grinste in die Runde. Für heute, waren die Lagerfeuergeschichten beendet.

Share this post


Link to post
Share on other sites

Ein paar Tage vergingen, bevor sich die Gruppe so wieder zusammenfinden konnte. Vielleicht weil sie auf Missionen waren, oder einfach nur mal Zuhause vorbei geschaut haben, ob alles noch im Grünen war. Dann, als es soweit war und alle am Lagerfeuer saßen, gingen die Blicke schnurstracks zu Setsuna. Diese seufzte etwas, musste dann jedoch lächeln und kramte das dicke Buch hervor. Sie öffnete es dort, wo das Lesezeichen zuletzt hinein gelegt wurde und begann von neuem...
 

"Es vergingen etliche Wochen, bevor der Floraner herausfand wie man dieses massive Stück Metall vernünftig steuerte. Zu seinem Glück befanden sich auf dem Schiff noch Forschungssubjekte, von denen man sich ernähren konnte.

 

Auf dem ersten Planten, auf welchem Karnivor landete, wurde er von Glitch freundlich empfangen. Sie musterten das pflänzliche Geschöpf mit neugierde, welches sie auch lautstark äußerten. Dem Floraner war augenblicklich klar, dass dies keine Wesen aus Fleisch waren und man sich an ihnen nicht ernähren könnte. Dennoch beruhte die Neugierde auf beider Seiten, immerhin wusste Karnivor nicht was ein Glitch überhaupt ist und warum ein Haufen Metall reden konnte. Also entschied er sich für eine Zeit auf dem Planeten zu bleiben und etwas über die Glitch zu lernen, im Gegenzug durften ihre Wissenshüter ihn über die eigene Rasse ausfragen.

 

Der Kampfstil und die Waffen unterscheideten sich gravierend von den Floranern. Schwere Platten- und Kettenrüstungen, Schilde zum Blocken, sowie Schwerter und Äxte. Äxte kannte Karnivor, jedoch bloß zum Holzhacken und nicht zum kämpfen. Schwerter waren ihm ebenso fremd, denn sein Volk bevorzugte Speere, Messer und ihre eigenen Klauen eben. Außerdem war er äußerst verwirrt darüber, wie man sich in diesen schweren Rüstungen überhaupt bewegen konnte. Vollkommen unpraktisch für eine Jagd, doch wofür man diese Rüstungen praktisch verwenden konnte, sollte er schon bald in Erfahrung bringen."

Das Feuer war beinahe ausgebrannt und die Holzscheite leer - also wurde das Buch geschlossen und mit einem Lächeln verabschiedete sich die blauhaarige in ihr Zelt.

Share this post


Link to post
Share on other sites

Den Abend zuvor hatte die Truppe ein wertvolles Mitglied verloren, da eine der Missionen schief gelaufen war. Sie waren zu betrunken und zu sehr am trauern, als das sie hätten eine Geschichte hören wollen. Doch diesen Abend konnte es weitergehen. Es musste weitergehen, immerhin konnten sie nicht lange über einen Kameraden trauern. Das war nun mal Berufsrisiko. Mit einem schweren Seufzen hiefte die blauhaarige Frau ihr Buch aus der Tasche und schlug es auf, um erneut zu lesen...

 

"Es war ein regnerischer Tag, mitten in der Nacht, als die Turmglocken des Schlosses Alarm schlugen. Zum Glück regnete es nicht, also hatten die Wachen festen Schritt ohne zu rutschen.
Karnivor wurde von einem der Schreiberlinge geweckt. Da er bereits mit den Glitch das Kämpfen geübt hatte, nahm er seinen Speer und stapfte mit der Truppe nach draußen. Lediglich der Mond beleuchtete die freie Ebene direkt vor dem Burggraben und der Wind brachte die Blätter Karnivors zum rascheln. Plötzlich wurde es vom Wald her immer heller und einige, in lila gehüllte, Gestalten betraten den Platz mit ihren Fackeln und Schwertern. Bis einer der Glitch das Wort 'Kultisten' erwähnte, wusste der Floraner nicht, wem er da überhaupt gegenüberstand. Die Wachen errichteten einen Wall aus Schilden und dahinter standen die Bogenschützen, während die Kultisten auf sie zustürmten ...

 

Am nächsten Morgen wurden die kaputten Glitch zurück in die Burg gebracht und in einer der Schmieden wieder aufgearbeitet, sofern das möglich war. Die Glitch, welche vollkommen irreperabel waren, wurden eingeschmolzen.
Die Kultistenleichen wurden derweil unter die Erde gebracht, abgesehen von den wenigen, welche Karnivor mit auf sein Schiff nahm, aus floranischen Gründen versteht sich. Nachdem er noch einen Schild als Abschiedsgeschenk bekam, machte sich der Floraner wieder auf die Reise. Diesmal dauerte es einige Zeit, bis er neue, bewohnte Planeten entdeckte und musste zwischendurch notlanden um Vorräte aufzufüllen.

 

Doch nach dieser Zeit, welche ihm vorkam wie eine Ewigkeit, landete er auf einem Planeten welcher vollkommen mit Sand bedeckt war. Riesige, dreiecksförmige Gebilde waren ab und an zu finden und die Hitze dörrte seine Blätter beinahe komplett aus, bevor er auf eine Stadt stieß, welche mit seltsamen, befiederten Humanoiden bewohnt war. Karnivor entdeckte die dritte Rasse welche er nicht kannte - die Avianer."

 

Die Stimmung war etwas erhellt und etwa die Hälfte der Gruppe war äußerst gespannt darauf, wie es weitergehen sollte. Auch Setsuna lächelte zufrieden, immerhin konnte sie die Launen ihrer Kameraden verbessern, bevor sie schlafen ging.

Share this post


Link to post
Share on other sites

Diesmal waren es ganze Monate die in das Universum zogen, bevor die Gruppe so wieder zusammenkam, wie sie zuletzt gesehen worden war. Jeder hatte seine eigene Aufgabe und jede davon dauerte unterschiedlich lang. Doch das war das Söldnerleben. Selbst wenn man zu einer Truppe gehörte, bedeutete dies nicht, das man zusammen arbeitete. Das Feuer des Kamins flackerte hell auf, als Setsuna ihr Buch aufschlug. Diesmal waren sie in einer Taverne untergekommen, statt ein Zeltlager aufzuschlagen. Kurz wurde sich geräuspert und Stille kehrte ein. Ein zufriedenes Lächen der jungen Frau folgte, bevor sie anfing zu lesen.

 

"Die Avianer beäugten den Floraner verwirrt. Sie hielten ihn zuerst für einen äußerst fortgeschrittenen Kaktus. Ein paar behaupteten sogar er sei ein Gesandter Kluex ... Schwer zu erraten, das diese später geopfert wurden. Erst der oberste Priester brachte Licht in die Sache und erklärte was ein Floraner sei. Er unterhielt sich eine lange Zeit mit Karnivor, bot ihm Wasser und Fleisch an, sowie Zugang zu allen Schriftrollen des Dorfes. Denn Wissen war Macht und Wissen über Kluex brachte Erleuchtung.

 

Einige Male konnte der Floraner mit ansehen, wie ein paar Avianer auf einen hohen Turm gingen, zusammen mit dem Hohepriester, bevor sie dann von diesem Turm heruntersprangen und unsanft auf dem Boden zerschellten. Die Flügellosen unter ihnen schwiegen in Bedauern, der Floraner jedoch amüsierte sich köstlich und konnte sein breites Grinsen nicht verstecken. Es war nicht so barbarisch wie die Arenen der Floraner, doch barbarisch genug um Karnivor zu unterhalten. Trotz seiner Intelligenz als Greenfinger kam immer wieder Mal seine floranische Seite zum Vorscheinen.

 

Etwa zwei oder drei Wochen lang war Karnivor dort. Der Hohepriester brachte ihn zu einer gigantischen Pyramide - So nannten die Avianer ihre dreieckigen Sandsteingebilde. Angeblich für eine Rundführung, doch als der Floraner das Gebilde betrat, wurde ein gewaltiger Stein vor den Ausgang geschoben. Scheinbar war er nun die Opfergabe für Kluex. Doch so begann Karnivors Abenteuertour durch die Pyramide. "

Anmerkung des Autors: Karnivor hatte weder einen Hut, noch eine Lederpeitsche dabei.


Die Hälfte der Gruppe war eingeschlafen, bevor Setsuna das Buch zuklappte und zurück in ihren gewaltigen Rucksack steckte. Auch sie suchte sich nun ein Bett und machte die Augen zu.

Share this post


Link to post
Share on other sites

Join the conversation

You can post now and register later. If you have an account, sign in now to post with your account.

Guest
Reply to this topic...

×   Pasted as rich text.   Paste as plain text instead

  Only 75 emoji are allowed.

×   Your link has been automatically embedded.   Display as a link instead

×   Your previous content has been restored.   Clear editor

×   You cannot paste images directly. Upload or insert images from URL.

Loading...